Ordonnanz 1890

 
Als Ordonnanz 1890 bezeichnete man die gleiche Patrone, welche aber anstelle des Schwarzpulvers eine Nitrocelluloseladung erhielt ( PC 89 ). Im übrigen wurde nun auch der Hülsenhals mit Papier umwickelt. Für das Kadettengewehr verwendete man formal die gleiche Patrone, versah sie jedoch mit einer schwächeren Ladung.
  
Die Kartätschenpatronen waren für die Polizei gedacht. In der Schweiz wurden sie nachweisbar mindestens von der Neuenburger Gendarmerie verwendet. Vier bis sechs Vollgeschosse (Kompressionsgeschosse) waren mit Papier umwickelt und zu einem Ganzen zusammengefasst, so dass sie von aussen wie ein Geschoss aussahen. Die Papierumwicklung konnte auch zum Abfüllen von Schrot verwendet werden.
  
Für Truppenübungen standen blinde Patronen, auch Exerzierpatronen genannt, zur Verfügung. Sehr frühe blinde Patronen, welche sich nur für den Einzelschuss eigneten, bestanden aus einer normalen, vorne etwas zugewürgten Hülse, welche durch eine Kartonscheibe oder durch eine lackierte Stoffeinlage verschlossen war. Um das Magazinfeuer zu ermöglichen, versah man später die Hülse mit einem rotgefärbten, ausgebohrten Lindenholzgeschoss. Durch den Schuss zersplitterte das hohle Holzgeschoss, so dass auf eine Distanz von über 15 m die Holzsplitter ungefährlich waren.
  
Es sind auch blinde Patronen in Ganzmetallausführung bekannt. Die Hülse aus Messing wurde derart gezogen, dass der Hülsenrand so stark verlängert wurde, dass er die Geschosslänge einschloss. Das abgerundete Ende verschloss man durch einen Pfropfen ( Modell 1881 ).