Die neue Thuner Matchpatrone

Ende der 80er Jahre machten sich die Thuner Konstrukteure mit viel Eifer und Elan an die neue Aufgabe.

Aufbau der Munition

 
   
 

Hülse

Es wurde eine speziell hergestellte GP11-Hülse verwendet. Die Fertigung erfolgte jeweils nur in einer Werkzeugstation, um die Streuung so gering als möglich zu halten. Wegen des Ausziehwiderstandes wurde der Mündungsdurchmesser verringert und als letzte Operation die Reinigung der Hülsen durchgeführt.

Zündelement

Die Fertigung des Zündelementes 1.1-001.04 erfolgte, gemäss Operationsplan, normal. Bei der Abgabeprüfung wird der Run-Down-Test durchgeführt. Fabrikate mit möglichst geringer Streuung bezüglich Ansprechempfindlichkeit und Handhabungssicherheit werden für diese Patrone ausgesucht und entsprechende Fabrikate reserviert.

Geschoss

Der Geschossmantel besteht aus CuZn 10, einer Tombak-Legierung. Die unterschiedlichen Wetterverhältnisse und auch die verschiedenen Schiessbedingungen (CISM-Wettkampf, 10 Schüsse in 90 Sekunden) verlangen drei Geschossmassen, nämlich 11,4 gr / 12,4 gr / 13,0 gr. Um die Fertigung der Geschosse möglichst zu vereinfachen, wurde nach einigen Vorversuchen, eine Aussenform (13,0 gr) und unterschiedliche Bleikernmassen vorgesehen.
Nachdem auch hier einige Versuche mit der üblichen Blei-Antimon-Legierung nicht zum Ziel führten, versuchte man eine Blei-Zinn-Legierung. Mit dem Legierungsanteil Zinn wir die Masse des Geschosskerns derart gesteuert, dass bei gleicher Aussenform die beiden "Leichtgewichte" erzielt werden können. Auch hier ist Gleichmässigkeit der Massen gefragt. Die Bleikerne dürfen höchstens +/- 0,01 gr vom Sollgewicht abweichen. Die Herstellung der Geschosse erfolgt auf einer - bezüglich Lagerspiel - optimal eingestellten 10-Stufen-Manurhin-Presse. Hier kommt das Fingerspitzengefühl des Bedienungsmannes besonders zum Tragen.

 
   
 

Pulver

Vorerst wurden die Versuche mit dem noch vorhandenen Pulver von M+FA durchgeführt. Die Untersuchungen über Pulvercharakteristiken, vor allem der Zusammenhang zwischen Ladungsmasse und Vo respektive Pmax wurde herauskristallisiert und nach einigen Misserfolgen ein normales GP11-Treibladungspulver gefunden, das den Vorstellungen recht nahe kam.

Laborierung

Das Dosieren des Pulvers auf +/- 0,010 gr genau erfolgt auf einer halbautomatischen Wägeeinrichtung. Es können pro Tag ca 1’000 Patronen laboriert werden. Anschliessend an die Dosierung erfolgt das Einstossen des Geschosses mit Nachkontrolle (Gewicht) und Sichtkontrolle (Kratzer, Beulen usw.). Als letzter Arbeitsgang erfolgt das Fetten der Führungspartie am Geschoss und das Verpacken.

Beschuss

Läufe und Systeme der Fa Tanner, Fulenbach, die denjenigen des Kaders entsprechen, wurden beschafft und ausgetestet. Der Rhythmus beim Beschuss, die berührungslose Bedienung des Systems waren Erkenntnisse, die im Laufe der Versuche suksessive erprobt wurden und die zu gleichmässigen Resultaten führten.

Von 1988 bis 1990 erfolgten Werkversuche sowie Beschüsse mit der Nationalmannschaft in Walenstadt. Die erste Ablieferung an die Nationalmannschaft trägt das Lab.-Datum 1.2.91. 1992 wurde die Losnummerierung eingeführt. Die grossen Erfolge an den beiden 300-m-Europameisterschaften 1991 und 1993, bewiesen eindrücklich, dass den Thuner Technikern eine sehr erfolgreiche Produktion gelungen ist.

Kosten

Dass eine Matchpatrone einen wesentlich höheren Beschaffungspreis hat, ergibt sich - zwangsläufig - aus dem hohen Anteil manueller Fertigung. Am meisten zu Buche schlagen dabei die Laborierungskosten.