Erste Tombakpatrone 1921

Am 15. Juli 1921 wurden in der MF Thun erstmals 6000 Matchpatronen mit Tombakgeschossen laboriert. Geladen wurden sie mit 3,23 gr Wimmiser Pulver. Mangels Nickel war es zu dieser Zeit üblich Geschosse mit Messing oder Tombakmantel herzustellen. Über die dabei erzielte Präzision fand man leider keine Angaben. Ein Jahr später, am 13. Juni 1922, wurden wieder die üblichen Geschosse mit Nickelplattierung für Matchpatronen laboriert.
    Nach dem Match in Mailand 1922, als die Amerikaner den Wanderpreis zum zweiten Mal nach Übersee entführten, wurde über die Ursache der Niederlage heftig diskutiert. Unter anderem wurde von Schützenseite der Wunsch geäussert, der Patrone eine höhere Anfangsgeschwindigkeit zu geben, ohne dass die Präzision darunter leiden sollte. Mit dieser Massnahme könnte der - damalige - Vorteil der Amerikanischen Patronen wieder wettgemacht werden. Diesem Wunsch wurde entsprochen, und prompt kehrten die Schweizer Schützen wieder zum Siegen zurück.

Auf und Ab in der Entwicklung

Unter der Bezeichnung Typ P und Typ Q wurden im Juni 1924 für die Matchgruppe zwei verschiedene Lose mit total 19’300 Patronen hergestellt. Im Dezember desselben Jahres nochmals zwei Lose à 5’000 Matchpatronen mit den Nummern 13 und 38 mit langen Mänteln (34,7 mm statt 29 mm Länge).
    Im weiteren fand mein Kollege zum ersten Mal den Vermerk "Patrone ungefettet". Leider ist bis jetzt die Bedeutung der Typenbezeichnung P und Q sowie die Nummern 13 und 38 noch nicht bekannt. Auf jeden Fall war die Präzision gut, denn Anfang 1925 wurden 2’400 Patronen Nr. 13 mit kurzen Mänteln und 18’000 Patronen Nr. 38 mit langen Mänteln hergestellt.
    Ab 12. Mai 1925 wurden die Zündkapseln der Matchpatronen mit grünem Schellack abgedichtet. Ab Juni 1926 wurden diese Patronen als Übungsmunition bezeichnet. Ebenfalls ab diesem Datum wurden die Patronen in 10er-Packungen abgefüllt. Auf den Patronenschachteln findet sich leider kein Hinweis, der auf den Inhalt schliessen lässt. Das 60er-Pack mit Ladestreifen wurde für Matchmunition aufgegeben. Im Jahre 1928 wurden auch die Matchpatronen mit dem modifizierten Rillengeschoss laboriert.

 
 

Exportpatronen aus Thun

Die Erfolge ab 1925 bewirkten, dass ausländische Schützen sich nach Schweizerischer Munition umsahen. Die MF Thun stellte 1929 eine spezielle Matchpatrone für den Export her. Die Hülse wurde vernickelt und ein interessanter Bodenstempel geschaffen. Die Beschriftung lautet "Match T T NZ8". Der Code NZ8 war für uns Patronensammler lange ein Rätsel.
    Die MF Altdorf und Thun haben ab 1929 die Laborierdaten durch einen Code ersetzt, das heisst die Jahreszahlen wurden mit Buchstaben festgehalten. So wurde zum Beispiel die Jahreszahl 29 mit VN (Vingt Neuf) in französischer Sprache ausgeführt. Der Code NZ8 lautet in deutscher Sprache Neun und Zwanzig 8. Monat. das Interessante daran ist, dass der deutschsprachige Code nur auf dieser Export-Matchpatrone zu finden ist. Eingeführt wurde jedoch der französische Code. Von dieser Patrone wurden 20’600 Stück laboriert. Sie wurden in dekorativen 20er-Kartonschachteln abgefüllt. Wohin diese Patronen exportiert wurden, konnte mein Kollege bis jetzt noch nicht definitiv herausfinden. Sicher ist nur, dass seine Schachtel aus Deutschland (Wiesbaden) stammt.
    Eine zweite Auflage dieser Munition ist 1931 gefertigt worden. Für die internationalen Einsätze in Lemberg und für die WM 1939 in Luzern wurden die Matchpatronen in braune Kartonschachteln verpackt und das farbige Label mit dem Schweizerbanner und den Namen der Mannschaftsschützen bedruckt. Das Zutrauen der Schützen zur Munition war anscheinend fast grenzenlos. Jedenfalls ist bekannt, dass "Lieni" (Walter Lienhard) die Zuschauer während eines Liegendmatches fragte, ob sie eine 10 links oder rechts sehen wollen!
    Thuner Patronen waren zu dieser Zeit in der Schweiz sehr begehrt und alle Schützen wollten nur mit diesen schiessen. Das Altdorfer Produkt war nicht so gefragt. Wegen des Kriegsausbruchs 1939 wurde die Produktion von Matchmunition eingestellt.